Wirtschaft Slowakei

Aktuelle Entwicklung

(gtai) Die Slowakei wird 2016 und 2017 zu den fünf wachstumsstärksten Volkswirtschaften der Eurozone gehören. Aktuell sorgen aber nicht die Exporte für Dynamik, sondern der starke Privatkonsum. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit sieben Jahren nicht mehr, die Löhne steigen kräftig an. In der Industrie bleibt die Fahrzeugproduktion der Motor. Weniger Bewegung gibt es dieses Jahr dagegen bei den Investitionen. Erst 2017 sollen sie wieder deutlicher zulegen.

Bericht zur aktuellen Wirtschaftslage

Prognose 2016 in Zahlen

Löhne und Gehälter

Durchschnittslohn: 883 Euro (2015)
Mindestlohn: 405 Euro (seit 1.1.2016)
Lohnnebenkosten: 48,60% des Bruttolohns
(davon Arbeitgeberanteil: 35,20%)

Vergütungsportal Platy.sk

Branchen im Überblick

Automobilindustrie

(gtai) - Die Fahrzeugbranche bleibt das Zugpferd der slowakischen Industrie. Nach einer Rekordproduktion von über 1 Mio. Pkw 2015 wird 2016 jedoch ein Zwischenstopp eingelegt. Spätestens 2018, wenn Jaguar seine Fabrik mit einer Kapazität von bis zu 300.000 Fahrzeugen in Betrieb nimmt, steht aber ein neuer Höchstwert an. Im Umfeld siedeln sich bereits einige Zulieferer an. Neue Fabriken in der Slowakei errichten unter anderem Sungwoo, Brose und Samhwa Tech. Volkswagen baut in Bratislava eine Montagehalle für den Porsche Cayenne. Die gute Konjunkturlage sorgt außerdem für steigende Absatzzahlen auf dem Binnenmarkt. Laut Branchenverband ZAP SR wurden 2015 rund 78.000 neue Pkw registriert - so viele wie noch nie. Im 1. Quartal 2016 stieg der Absatz nochmals um ein Fünftel gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Branche kompakt - Kfz-Industrie und Kfz-Teile - Slowakei, 2016

Maschinenbau

(gtai) - Der Maschinenbau hat ein gutes Jahr hinter sich. Die Umsätze sind um fast 9% gestiegen. Allerdings sind die Aussichten weniger rosig, denn der Auftragseingang stagnierte 2015. Im 1. Quartal 2016 gingen sogar 4% weniger Neubestellungen ein als im Vorjahreszeitraum. Hersteller mit Russlandfokus stecken weiter in der Krise. Auf dem Inlandsmarkt ist die Nachfrage dagegen groß, wie die Importstatistik zeigt. Die Einfuhren an Maschinen haben zweistellig zugelegt. Allmählich wächst auch in der Slowakei das Interesse an einer Digitalisierung der Produktionsprozesse (Industrie 4.0). Steigende Löhne und zunehmender Fachkräftemangel sorgen in der Automobilbranche für Automatisierungsbedarf. Der deutsche Hersteller von Maschinen für die Fleischindustrie, Marel, plant in Nitra für 5,5 Mio. Euro eine Erweiterung seines Werks.

Branche kompakt - Maschinenbau und Anlagenbau - Slowakei, 2015

Elektrotechnik

(gtai) - Vom Aufschwung spürt die einheimische Elektronikindustrie kaum etwas. Ihre Produktion ist 2015 um 9% und im 1. Quartal 2016 um 4% gesunken. Bei den Neubestellungen gibt es ebenfalls keine eindeutige Tendenz nach oben. Dagegen konnten die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen ihren Ausstoß im Vorjahr um 15% steigern und von Januar bis März 2016 um weitere 9%. Ebenso optimistisch stimmt der starke Ordereingang die Branche. Laut Presseberichten plant Foxconn in Nitra eine Ausweitung der Produktion, spekuliert wird über TV-Geräte für Apple. Die schwedische Camfil plant eine Werkserweiterung in Levice und will dort unter anderem Luftfilter für die Elektronikindustrie fertigen. Mitte des Jahres will Kabelhersteller Leoni seinen Standort Valaska Bela schließen, weil die Lohnkosten zu hoch seien.

Metallurgie

(gtai) - Die Metallindustrie hat ein gutes Jahr hinter sich. Bis September war die Produktion um über 5% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Zumindest bei den Metallerzeugern scheint aber fraglich, ob sich der positive Trend fortsetzt, denn ihr Auftragsvolumen stieg nur um 1%. Bei den Metallverarbeitern dagegen nahm der Ordereingang in den ersten drei Quartalen 2015 um 4% zu. Die Metallnachfrage sollte ab 2018 anziehen, wenn die Jaguar-Fabrik in Nitra steht. Aus Umweltschutzgründen hat sich die spanische Funderia Condals entschieden, ihre Gießerei nicht wie ursprünglich geplant in der Ostslowakei zu bauen, sondern im südslowakischen Sturovo. Das Unternehmen will dort rund 20 Mio. Euro investieren. Der Hersteller von Aluminium-Zylinderköpfen Nemak baut für fast 10 Mio. Euro sein Werk in Ziar nad Hronom aus.

Chemische Industrie

(gtai) - Die Petrochemie profitierte 2015 von niedrigen Rohölpreisen, ihr Ausstoß stieg um ein Fünftel. Chemiekonzern Slovnaft verbuchte wegen einer Generalüberholung allerdings starke Einbußen. Um 8% zulegen konnte die Produktion von Chemikalien. Auch die Pharmabranche entwickelte sich mit +5% gut. Zu Jahresbeginn 2016 scheint der Aufschwung jedoch vorbei. Im 1. Quartal verzeichneten alle drei Zweige der Chemieindustrie einen Rückgang der Produktion, Pharmahersteller sogar um ein Fünftel. Auch die Auftragseingänge zeigen deutlich nach unten. Dafür gibt es einige Investitionsvorhaben. Evonik will bis 2018 in Slovenska Lupca eine Linie für Biotenside aufbauen. Chinas Hersteller von organischen Chemikalien, Jiangsu Weitian Chemical, errichtet in Senec eine Niederlassung für 10 Mio. Euro.

Branche kompakt - Chemie, chemische Industrie - Slowakei, 2013

Bauwirtschaft

(gtai) - Besonders die Abschöpfung der EU-Fonds brachte die Bauwirtschaft 2015 in Schwung. Der Wert der Bauleistungen war laut Statistikamt um ein Viertel gestiegen. Im 1. Quartal 2016 setzte sich der Aufschwung mit einem Zuwachs von 10% fort. Für das Gesamtjahr erwartet die Branche nach Untersuchungen von CEEC Research ein Plus der Bauproduktion von 4%, für 2017 von 2%. Besonders optimistisch sind kleinere Firmen und der Hochbau. Beim Wohnungsbau war 2015 Baustart für fast 20.000 Einheiten - ein Viertel mehr als 2014. Viel zu tun gibt es aber auch beim Industriebau (neue Autofabrik, Kfz-Zulieferer) und bei der Infrastruktur. Bis zum Herbst soll der Bau der Ringautobahn Bratislava starten (Konsortium um die spanische Cintra). Für den Ausbau von 300 km Fernstraßen plant die Regierung bis 2020 etwa 345 Mio. Euro ein.

Branche kompakt - Bauwirtschaft - Slowakei, 2015

Informations- und Kommunikationstechnik

(gtai) - Die Umsätze mit IT- und Telekommunikationsdiensten sowie entsprechender Technik entwickeln sich gut. Zuletzt hatten große öffentliche Aufträge für eine Marktbelebung gesorgt. Unabhängig davon wachsen die Softwareentwickler weiter mit zweistelligen Raten. Dank steigender Einkommen und mehr mobiler Datennutzung verbuchen auch die Mobilfunkbetreiber höhere Einnahmen. Die Umsätze der Telekommunikationssparte sind 2015 um 4% gestiegen. Der erst seit Oktober auf dem Markt agierende vierte Handynetzbetreiber 4ka/Swan will bis Ende dieses Jahres 300.000 Kunden haben. IBM erweitert sein Kundenzentrum in Kosice. Auch Softwarefirma Global Logic will dort 200 Mitarbeiter einstellen. Ness verlagert Teile seiner Softwareentwicklung von Kosice nach Poprad.

Fachartikel: Kosice entwickelt sich zum IT-Zentrum der Slowakei, 2015

Umwelttechnik

(gtai) - Mit Technologien für die Wasser- oder Abfallwirtschaft lassen sich aktuell gute Geschäfte machen. Ende 2015 wurde der neue Wasserplan verabschiedet, der bis 2021 mehr als 2 Mrd. Euro Investitionen in Kanalisation, Hochwasserschutz und Altlasten in Gewässernähe vorsieht. In der Abfallwirtschaft geht es verstärkt darum, die Deponiequote zu senken. In fünf Jahren soll die Hälfte des Hausmülls wiederverwertet werden (bislang erst 30%). Mehrere Müllverbrennungsanlagen sind in Planung, unter anderem in Nitra und Samorin. Auf großes Interesse stößt das Regierungsprogramm "Zelena domacnostiam" (Grünes Licht für die Haushalte). Es unterstützt die Installation erneuerbarer Energiequellen in Wohnhäusern. Bis Anfang Juni 2016 hatte die durchführende Energieagentur SIEA schon 3.200 Finanzierungszusagen erteilt.

Branche kompakt - Recycling- und Entsorgungswirtschaft - Slowakei, 2014

Medizintechnik

(gtai) - Laut einer Studie der Comenius-Universität Bratislava wird das Land 2060 einen der höchsten Altersdurchschnitte der EU haben. Der Bedarf an Medizintechnik wird also steigen. Deutsche Hersteller waren zuletzt allerdings weniger erfolgreich. Bei insgesamt eher stagnierenden Importen gingen ihre Lieferungen 2014 (nach NACE-Kategorien) um 16% zurück. Wettbewerber aus Tschechien, den Niederlanden oder Belgien konnten ihre Position verbessern. Ihr Engagement im Gesundheitssektor baut die Investmentgruppe Penta aus. Im Frühjahr 2015 hat sie zwei weitere Krankenhäuser in Galanta und Dunajska Streda übernommen und will dort 20 Mio. Euro investieren. Außerdem lässt Penta im ostslowakischen Michalovce ein Krankenhaus errichten. Bis 2018 fließen 34 Mio. Euro in das Projekt mit über 300 Betten.

Branche kompakt - Slowakei - Medizintechnik, 2013

Standortfaktoren

Pluspunkte des Standorts Slowakei:

  • Vergleichsweise niedrige Steuerbelastung
  • Günstige geografische Lage im Herzen von Europa
  • Mitglied der europäischen Zoll- und Währungsunion
  • Leistungsbereite Arbeitskräfte zu relativ moderaten Kosten
  • Gut ausgebaute Infrastruktur in der westlichen Landeshälfte
  • Ausgeprägte Industriekultur mit einem dichten Netz an Zulieferern

 
Schwachstellen des Standorts Slowakei:

  • Fachkräftemangel droht nach Ende der Krise wieder aufzuflammen
  • Schlecht ausgebaute Infrastruktur in der östlichen Landeshälfte
  • Langwierige Durchsetzung von Rechtsansprüchen
  • Korruption, v.a. im öffentlichen Sektor
  • Ineffiziente öffentliche Verwaltung


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Markus Halt
Stellv. Geschäftsführer, Pressesprecher

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