Wirtschaft Slowakei

Aktuelle Entwicklung

(gtai) Das Wachstum der slowakischen Wirtschaft bleibt konstant auf einem hohen Niveau. Nach einem Plus von voraussichtlich 3,2% im Jahr 2015 soll das Bruttoinlandsprodukt in den kommenden drei Jahren weiter um je über 3% steigen. Vor allem die gestärkte Binnennachfrage durch Privathaushalte und die öffentliche Hand sorgen derzeit für Impulse. Doch auch als Investitionsstandort bleibt die Slowakei beliebt. Die geplante Autofabrik von Jaguar Land Rover wird das Wachstum zusätzlich anheizen.

Bericht zur aktuellen Wirtschaftslage

Prognose 2016 in Zahlen

Löhne und Gehälter

Durchschnittslohn: 861 Euro (Jahresmitte 2015)
Mindestlohn: 405 Euro (seit 1.1.2016)
Lohnnebenkosten: 48,60% des Bruttolohns
(davon Arbeitgeberanteil: 35,20%)

Vergütungsportal Platy.sk

Branchen im Überblick

Automobilindustrie

(gtai) - Die Fahrzeugbranche konnte ihren Ausstoß von Januar bis September 2015 um 7% erhöhen, der Wert der Neuaufträge ist um 13% gestiegen. Nach Schätzungen des Verbands ZAP SR legte die Pkw-Produktion 2015 um 1% auf 980.000 Einheiten zu. Die Millionengrenze wird die Branche spätestens 2018 nach der geplanten Investition von Jaguar Land Rover durchbrechen. In der Fabrik sollen rund 300.000 Autos pro Jahr vom Band laufen. Die Bauarbeiten beginnen voraussichtlich 2016. Im Umfeld des Werkes werden sich zahlreiche Zulieferer ansiedeln. In den vergangenen Monaten haben bereits mehrere Teilehersteller Investitionen angekündigt. ZF Friedrichshafen verlagert seine deutsche Stoßdämpferproduktion teilweise nach Levice. Amaya Telleria erweitert sein Radnaben-Werk bei Martin, Mecaplast investiert in Trnava.

Branche kompakt - Kfz-Industrie und Kfz-Teile - Slowakei, 2015

Maschinenbau

(gtai) - Die Nachfrage nach Maschinen und Ausrüstungen war 2015 dank der starken Investitionstätigkeit sehr hoch. Das zeigte sich besonders bei Baumaschinen, Werkzeug- und anderen Arbeitsmaschinen, deren Einfuhrwert allein im 1. Halbjahr um 16% gestiegen war. Auch die slowakischen Maschinenbauer profitierten davon. Ihre Produktion stieg von Januar bis September um über 6% im Vergleich zum Vorjahr. Die Aussichten sind aber verhaltener, denn der Orderbestand legte in diesem Zeitraum nur um knapp 2% auf 3 Mrd. Euro zu. Einige Großbetriebe wie Tatravagonka oder Compel Rail, die sehr auf den russischen Schienenfahrzeugmarkt ausgerichtet sind, stecken in finanziellen Schwierigkeiten. Maschinenbauer Energyco plant bei Velka Ida eine neue Fabrik zum Bau von Kessel- und Entschwefelungsanlagen.

Branche kompakt - Maschinenbau und Anlagenbau - Slowakei, 2015

Elektrotechnik

(gtai) - Die Herstellung von elektronischen Geräten war 2015 eine der wenigen slowakischen Industriebranchen, deren Ausstoß schrumpfte - bis September um 11% gegenüber dem Vorjahr. Hauptgrund war die geringere Exportleistung bei TV-Geräten und Flachbildschirmen, deren Ausfuhr von Januar bis August um 9% schrumpfte. Seit 2015 verlegt UMC Slovakia Kapazitäten ins Nachbarland Polen. Das Unternehmen hatte zuletzt einen Jahresumsatz von über 200 Mio. Euro mit Fernsehgeräten erzielt. Auch die Aussichten für die Elektronikbranche sind nicht besonders rosig. Der Bestelleingang schrumpfte von Januar bis September um 4%. Besser erging es den Produzenten von elektrischen Ausrüstungen. Sie steigerten ihre Produktion in den ersten neun Monaten um 7% und verbuchten einen Orderzugang von 6%.

Metallurgie

(gtai) - Die Metallindustrie hat ein gutes Jahr hinter sich. Bis September war die Produktion um über 5% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Zumindest bei den Metallerzeugern scheint aber fraglich, ob sich der positive Trend fortsetzt, denn ihr Auftragsvolumen stieg nur um 1%. Bei den Metallverarbeitern dagegen nahm der Ordereingang in den ersten drei Quartalen 2015 um 4% zu. Die Metallnachfrage sollte ab 2018 anziehen, wenn die Jaguar-Fabrik in Nitra steht. Aus Umweltschutzgründen hat sich die spanische Funderia Condals entschieden, ihre Gießerei nicht wie ursprünglich geplant in der Ostslowakei zu bauen, sondern im südslowakischen Sturovo. Das Unternehmen will dort rund 20 Mio. Euro investieren. Der Hersteller von Aluminium-Zylinderköpfen Nemak baut für fast 10 Mio. Euro sein Werk in Ziar nad Hronom aus.

Chemische Industrie

(gtai) - In den ersten drei Quartalen 2015 steigerte die Petrochemie ihren Ausstoß um mehr als ein Viertel gegenüber der Vorjahresperiode. Dabei profitierten die Unternehmen von den niedrigen Rohstoffpreisen für wichtige Ausgangsstoffe. Chemikalienhersteller und Pharmaindustrie konnten dagegen nur um jeweils 5% wachsen. Beim Volumen der Neubestellungen ermittelte das Statistikamt von Januar bis September einen Zuwachs von 6% bei den Pharmaunternehmen und einen Rückgang von 4% bei den Herstellern von Chemikalien. Der größte Raffineriebetrieb Slovnaft will 2016 rund 120 Mio. Euro investieren, vor allem in die bestehenden Produktionsanlagen, aber auch in die Kunststoffherstellung. Im Herbst 2015 hatte Slovnaft eine 200 Mio. Euro teure Polyethylen-Produktion in Bratislava eröffnet.

Branche kompakt - Chemie, chemische Industrie - Slowakei, 2013

Bauwirtschaft

(gtai) - Nach sechs Krisenjahren wächst die Bauwirtschaft wieder. In den ersten drei Quartalen 2015 ist die Bauproduktion gegenüber dem Vorjahr um 17% gestiegen. Der Branche helfen Großaufträge im Infrastrukturbau und zahlreiche Projekte für neue Industriegebäude, Logistikkomplexe und Wohngebäude. Developer holen wieder Vorhaben aus der Schublade, die sie in der Krise verschoben hatten. Für 2016 erwarten die Bauunternehmen laut Marktforschungsunternehmen CEEC ein Plus von 5%. Vom Aufschwung profitieren besonders die Baukonzerne und der Tiefbau. Grund sind die staatlichen Infrastrukturausgaben, etwa zur Fertigstellung der Autobahn D1 mit vielen Tunnelbauten. Ab 2016 wird die Autofabrik von Jaguar Land Rover für Aufträge sorgen, perspektivisch die geplante Ringautobahn D4 um Bratislava.

Branche kompakt - Bauwirtschaft - Slowakei, 2015

Informations- und Kommunikationstechnik

(gtai) - Die Umsätze des IT- und Telekommunikationssektors sind von Januar bis September um 5% gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Überdurchschnittlich legten dabei wieder die Softwareunternehmen zu. Die Zahl der Programmierer hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf fast 25.000 verdoppelt. Besonders gut entwickelt sich dabei das "IT-Valley" im ostslowakischen Kosice. Der brasilianische Maschinenbauer Embraco plant dort laut Zeitungsberichten ein Kundendienstzentrum, von dem aus Finanzprozesse und Personalressourcen in aller Welt gesteuert werden sollen. Umfangreiche Neueinstellungen kündigten außerdem FPT Slovakia und Ness KDC an. Im Mobilfunk ist seit Oktober in der Slowakei ein vierter Mobilfunkanbieter auf dem Markt. Das Unternehmen Swan kooperiert mit der staatlichen Postgesellschaft.

Fachartikel: Kosice entwickelt sich zum IT-Zentrum der Slowakei, 2015

Umwelttechnik

(gtai) - Im Rahmen des neuen EU-Programms Umweltqualität laufen seit dem Spätsommer die ersten Aufrufe für Projektanträge. Zunächst stehen Mittel für Altlastensanierung und Abwasserreinigung bereit. Außerdem befinden sich noch viele Vorhaben aus der alten Förderperiode in der Umsetzung. Dazu gehören Klärwerke in Nitra (65 Mio. Euro Fördermittel) und Trencin (46 Mio. Euro) sowie Hochwasserschutz in verschiedenen Regionen für 63 Mio. Euro. Geschäftschancen bei der energieeffizienten Gebäudesanierung ermöglicht das Programm "Zelena domacnostiam" ("Grünes Licht für die Haushalte"), das seit Herbst läuft. Bis 2020 sollen 115 Mio. Euro für erneuerbare Energiequellen in Wohngebäuden fließen. Außerdem plant die Regierung für 2016 etwa 30 Mio. Euro Fördermittel zur Wärmedämmung an Eigenheimen ein.

Branche kompakt - Recycling- und Entsorgungswirtschaft - Slowakei, 2014

Medizintechnik

(gtai) - Laut einer Studie der Comenius-Universität Bratislava wird das Land 2060 einen der höchsten Altersdurchschnitte der EU haben. Der Bedarf an Medizintechnik wird also steigen. Deutsche Hersteller waren zuletzt allerdings weniger erfolgreich. Bei insgesamt eher stagnierenden Importen gingen ihre Lieferungen 2014 (nach NACE-Kategorien) um 16% zurück. Wettbewerber aus Tschechien, den Niederlanden oder Belgien konnten ihre Position verbessern. Ihr Engagement im Gesundheitssektor baut die Investmentgruppe Penta aus. Im Frühjahr 2015 hat sie zwei weitere Krankenhäuser in Galanta und Dunajska Streda übernommen und will dort 20 Mio. Euro investieren. Außerdem lässt Penta im ostslowakischen Michalovce ein Krankenhaus errichten. Bis 2018 fließen 34 Mio. Euro in das Projekt mit über 300 Betten.

Branche kompakt - Slowakei - Medizintechnik, 2013

Standortfaktoren

Pluspunkte des Standorts Slowakei:

  • Vergleichsweise niedrige Steuerbelastung
  • Günstige geografische Lage im Herzen von Europa
  • Mitglied der europäischen Zoll- und Währungsunion
  • Leistungsbereite Arbeitskräfte zu relativ moderaten Kosten
  • Gut ausgebaute Infrastruktur in der westlichen Landeshälfte
  • Ausgeprägte Industriekultur mit einem dichten Netz an Zulieferern

 
Schwachstellen des Standorts Slowakei:

  • Fachkräftemangel droht nach Ende der Krise wieder aufzuflammen
  • Schlecht ausgebaute Infrastruktur in der östlichen Landeshälfte
  • Langwierige Durchsetzung von Rechtsansprüchen
  • Korruption, v.a. im öffentlichen Sektor
  • Ineffiziente öffentliche Verwaltung


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Markus Halt
Stellv. Geschäftsführer, Pressesprecher

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